Dein Machtbereich: Du kannst viel mehr ändern als du denkst

Möge die Macht mit dir sein!

Ich finde das ist ein guter Einstieg in diesen Artikel. 😉 Doch für die Bedeutung in der Persönlichkeitsentwicklung möchte ich dir zuerst einmal ein paar Synonyme für den Machtbereich geben: Einflussbereich, Wirkungsbereich, Kontrollbereich. Innerhalb dieses gedanklichen Rahmens bist du handlungsfähig, du kannst etwas ändern und/oder beeinflussen. Wenn du deinen eigenen Machtbereich erkennst, kannst du dich darüber selbst ermächtigen. Es gibt dir ein Gefühl davon, was du kontrollieren kannst und was du akzeptieren darfst. Wie ich das mit kostenlosen Zeitungen trainieren durfte und wie meine wochenlange Odyssee ausgegangen ist, erfährst du, indem du weiterliest.

Der Machtbereich und deine Moeglichkeiten

Was liegt innerhalb und außerhalb meines Machtbereichs?

Innerhalb des eigenen Mach(t)bereichs:

  • Meine Taten
  • Mein Umfeld
  • Wie ich andere behandle
  • Meine Entscheidungen
  • Meine Reaktionen
  • Wie ich mich selbst behandle
  • Meine Worte

Außerhalb meines Machtbereichs und damit außerhalb meiner Kontrolle:

  • Was andere Menschen denken
  • Was andere Menschen sagen
  • Was in der Vergangenheit passiert ist
  • Was andere Menschen tun
  • Wie sich andere Menschen fühlen

Beispiel aus meinem Alltag: Mein Kampf gegen kostenfreie Zeitungen

Ich nehme dich mit auf eine ganz alltägliche Erfahrung von mir. Ich bekomme etwas, das ich nicht haben will. Ich bekomme seit nun mehr 5 Wochen kostenfreie Zeitungen im wöchentlichen Rhythmus zugestellt, mit denen ich nichts anderes mache, als sie vom Briefkasten zur Papiertonne durch meinen Hausflur zu tragen. Anfangs habe ich es für ein Versehen gehalten. In den Wochen davor wurde mein Schild "Bitte keine Werbung einwerfen" ja auch beachtet, also vermutlich eine neue Person, die in meiner Nachbarschaft Zeitungen aufträgt. Eines Morgens erwischte ich eine Austrägerin. Sie bestätigte mir, dass in meiner Straße jemand neues für die Zustellung dieser Zeitung zuständig sei.

Ich kannte nun die Ursache für mein Problem. Der neue Zusteller ignoriert das Schild und wirft einfach die Zeitungen ein.

In den Wochen zuvor, in denen ich nichts unternommen hatte, hat sich bei mir Wut breitgemacht. Ich ärgerte mich riesig darüber, dass ich (in meinen Augen) mit Müll bombardiert werde. Wenn ich mich regional informieren möchte, tue ich das online, und die andere Hälfte der Zeitung, die aus Werbebeilagen besteht, will ich nicht haben. Deswegen auch das Schild "Bitte keine Werbung einwerfen". Doch hier wurde mein Bedürfnis wöchentlich übergangen. Meine gesetzte Grenze wurde nicht eingehalten und das machte mich zunehmend wütender.

Doch von meiner Wut hatte ich bis zu dem Zeitpunkt ganz alleine etwas. Ich ranzte rum, steigerte mich hinein und es wurde mit jeder Woche schlimmer. Du kennst das vielleicht selbst von dir oder von anderen, die in diesem Zustand innerer Unmut verharren, dich ihre eigenen Gefühle damit immer wieder bestätigen und sich auf ihre Position versteifen. Das praktizierte ich nun schon ein paar Wochen. Doch was hilft es mir? Nichts. Ich ließ alles beim Alten und "wunderte mich", dass sich nichts änderte. Eines Tages entschied ich meine Lage zu verbesser.

Jetzt ist Handeln angesagt!

Woche 1: Ich beginne mit meiner Zeitrechnung bei meiner ersten aktiven Handlung. Davor war ich mit Meckern, Jammern und wütendem Rumranzen beschäftigt. 😉 Ich rufe also eine Hotline an und melde mein Anliegen. Mein Problem wird erkannt, meine Daten aufgenommen und ein Hinweis geht laut Hotline-Mensch an die entsprechende Logistik-Abteilung.

Woche 2-3: Ich bin gefangen in meiner persönlichen Version von "Und täglich grüßt das Murmeltier". Bei mir ist es das wöchentliche Zeitungstier. 3 Wochen in Folge rufe ich bei der zentralen Hotline an. Mit immer selben Ausgang. In der nächsten Woche habe ich wieder "Müll" in meinem Briefkasten und ich rege mich im Folge dessen richtig darüber auf, wieso es denn da nicht läuft. Da greifen ja eindeutig Prozesse nichts. Woah!!!! Ich frage mich, ob das Leben mir Hinweise gibt. In meiner Coaching-Ausbildung lerne ich, dass ich Situationen anziehe, die ich noch nicht für mich gelöst habe oder von denen ich etwas lernen darf. Das trifft hier offenbar zu.

Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten (Albert Einstein).

Woche 4: Was mache ich also nach nunmehr 3 identischen Versuchen mit identischem Ausgang? Ich ändere, was ich ändern kann. Zu meinem Machtbereich gehört mein Briefkasten. Außerhalb meines Machtbereichs liegen die kostenfreien Zeitungen, deren Logistikinformationsstruktur, deren Zustellpersonen, etc. In meinem Machtbereich kann ich noch etwas ändern: Ein leuchtender Zettel hängt nun neben dem bisherigen: "Bitte keine kostenfreien Zeitungen". Meine Lösung ist also: Verantwortung für den Bereich übernehmen, den ich beeinflussen kann. Wenn ich etwas ändern kann, um die Situation positiv zu beeinflussen, sollte ich es tun. Wenn nicht, sollte ich es als außerhalb meines Machtbereichs liegend akzeptieren und einen anderen Umgang damit finden, der für mich positiv ist. Ich bin zu diesem Zeitpunkt sehr gespannt, wie das Ende dieser Geschichte aussieht. Ich weiß nun jedoch, dass ich in meinem Machtbereich etwas ändern kann.

Woche 5: Das erforderliche Schild ist in leuchtend-orange am Briefkasten. Dank den häufigen Anrufen bei der Hotline habe ich nun auch gelernt, dass dieses Zusatzschild erforderlich ist. "Kostenfreie Zeitungen sind aufgrund des redaktionellen Anteils keine Werbung und erfordern damit ein zusätzliches Schild". Das hat die anderen Zeitungen zwar bisher auch nicht interessiert, doch immerhin ist mein Briefkasten jetzt rechtssicher. =D Das hilft jedoch nichts, denn wöchentlich grüßt das Zeitungstier. Da ist sie wieder. Unverändert. Also nochmal anrufen.

Woche 6: Die Zeitung kehrt zurück. Diesmal ist sie ganz im Briefkasten verschwunden und schaut nicht mehr halb heraus. Der einzige erkennbare Unterschied zu den bisherigen Wochen. Ich melde mich erneut telefonisch und sage, dass das erforderliche Zusatzschild für die interne Logistik-Anweisung angebracht ist. Der Mensch an der anderen Seite wirkt sehr engagiert und will weitere Schritte neben den bisherigen einleiten. Ich könnte Erfolg haben. Das erste Mal hört jemand richtig zu und nimmt nicht nur ein Formular auf. Hier hat sich etwas verändert!

Woche 7: Und wöchentlich grüßt das Zeitungstier. Wieder da. Ich bleibe hartnäckig, hinterlasse meine Telefonnummer und will zurückgerufen werden. In der Woche kommt es jedoch zu keinem Rückruf. Mittlerweile bin ich nicht mehr so tief wütend wie in den ersten Wochen. Ich sehe es mittlerweile mehr als Spiel. Ich möchte einen Weg finden, der mich wieder in eine zeitungsfreie Zone bringt und mein "Müll-Problem" löst.

Woche 8: Da ist es wieder, das wöchentliche Zeitungstier. Es liegt tief in seiner neuen Höhle... Nunja.. Ich will es immer noch nicht, auch wenn es sich wohl eingelebt hat. Ich versuche es nochmal bei der Hotline. Und tatsächlich erhalte ich denselben jungen Mann erneut ans Telefon, der mir bereits vor 2 Wochen andere Schritte einzuleiten angeboten hat. Er erinnert sich an mich und er ist selbst mehr als überrascht und irritiert, dass es bisher nicht funktioniert hat. Er hat noch eine weitere Möglichkeit und schickt meinen Fall an zwei Stellen. Er versichert mir nochmal, dass er der bisherige Weg auch funktionieren sollte, doch er nutzt jetzt noch einen weiteren. Wir verabschieden uns freundlich und ich bin gespannt auf die nächste Woche. 😉

Woche 9: *Trommelwirbel* Tatatataaaaaaaa! Endlich keine Zeitung mehr in meinem Briefkasten! Juhuuuuuuu! Boah, du kannst dir nicht vorstellen, wie ich das gerade feiere!!! =D Dieser Erfolg lässt mich auch nachdenken.

Was war wohl der entscheidende Unterschied?

Die Einstellung macht's: Ente oder Adler?

Es gibt (laut Bodo Schäfer und Vera Birkenbihl) zwei Arten von Menschen. Die einen verhalten sich wie Adler, die anderen wie Enten (nach Vera Birkenbihl wie Frösche). Die Einen suchen nach Lösungen, handeln und übertreffen Erwartungen, die Anderen bleiben am liebsten in ihrem Teich und quaken tagein, tagaus. Ohne genauer auf diverse Unterschiede einzugehen, möchte ich dir die beiden Typen anhand meiner Hotline Erfahrungen beschreiben:

Hotline-Ente

"Ich nehme ihre Anfrage in einem Formular auf und gebe es weiter." (Standard-Prozedur, ohne erhöhten Einsatz oder weiteres Mitdenken)

Hotline-Adler

"Ach, sie rufen schon das 6te Mal in Folge an? Na da kann ja irgendwas nicht stimmen, das soll so nicht sein. Ich nehme das jetzt nochmal in das offizielle Formular auf und gehe dem zusätzlich persönlich nach. Wir haben die Möglichkeit dem regionalen Teamleiter zu kontaktieren, der ggf. mit dem Austragenden mitlaufen wird, um sich die Situation vor Ort anzusehen. Ich leite das in die Wege."

Diesen Adler hatte ich letztlich zweimal am Telefon. Großartiger Mensch! Ich habe mich verstanden und ernst genommen gefühlt, ich war mehr als eine Anrufende, die mit ihrem Anliegen in ein Formular aufgenommen wird. Der Mensch hat verstanden, worum es mir geht, hat nach Lösungen gesucht und konnte sich sogar beim zweiten Gespräch an mich erinnern. Der Hotline-Adler hat nach weiteren Lösungsmöglichkeiten Ausschau gehalten und neue Wege neben dem üblichen Formular probiert, die am Ende zielführend waren.

Hiermit ein großes Dankeschön an diesen Menschen!

Fazit zum Machtbereich: Was habe ich gelernt?

Auf diese Weise endete mein ganz persönlicher Wahnsinn. Nach 9 Wochen und wiederholten Anrufen bei der Hotline, nach Fragen zu weiteren Möglichkeiten und Erkennen meines Machtbereichs, habe ich endlich eine funktioniere Lösung dank des Hotline-Adlers erhalten. Ich bekomme keine kostenfreie Zeitung mehr, die ich nur vom Briefkasten direkt in die Papiertonne getragen habe. Ich habe meinen persönlichen Müll wieder reduziert.

Doch noch viel wichtiger als das Ergebnis ist der Prozess für mich gewesen. Ich habe gelernt, dass sich Ausdauer und Durchhaltevermögen auszahlen! Es lohnt sich für die eigenen Visionen und Ziele anzutreten und nichts unversucht zu lassen.

Ich habe über 9 Wochen hinweg das Lösen eines Problems in Angriff genommen, Rückschläge erfahren, Wut und Frustration erlebt und wurde am Ende belohnt. Eine meiner letzten Optionen innerhalb meines Machtbereichs wäre im Übrigen "das Auflauern" gewesen. =D Ich habe dem Hotline-Adler beim zweiten Gespräch befragt, wann die Zeitung schätzungsweise ausgetragen wird und ihm davon berichtet, dass ich ansonsten eben selbst auf den Austragenden warten müsse, um ihm persönlich zu sagen, dass ich diese Zeitung nicht will. Seine Antwort: Ach, das macht doch keinen Spaß. Die Zeitung muss bis 9 Uhr im Kasten sein, ab 0 Uhr stehen die Zeitungen bereit. Da abzupassen, wann der Mensch die Zeitung austrägt, macht doch keinen Spaß.

Ich weiß nicht, ob das meinen Willen noch weiter unterstrichen hat oder ob letztlich die Option, die er gefunden hat, den Ausschlag gegeben hat. Ich bin jedenfalls glücklich über diese Erfahrung.

Es ist wohl wie mit der Persönlichkeitsentwicklung in Stufen. Eine Aufgabe kommt solange in unser Leben bis wir das gelernt haben, was wir sollten. Eben wie eine Wiederholungsklausur, die wir erst bestehen, wenn wir das Richtige gelernt haben. Ich habe gelernt, dass sich Durchhaltevermögen, Hartnäckigkeit und Ausdauer auszahlen. Das wird für mich sicherlich an so mancher Stelle eine wertvolle Erfahrung gewesen sein.

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2 Kommentare

  • Mir kam beim Lesen eine ganz andere Idee in den Sinn:
    Perspektive wechseln-
    was ich ablehne, könnte sich ein anderer wünschen und deshalb:
    In der Nachbarschaft zu fragen, ob jemand eine kostenlose Zeitung möchte. Hätte ich die Person gefunden, hätte ich den neuen Namen und Adresse an Hotline und Briefkasten gegeben.
  • Hey Stefanie,

    der Perspektivwechsel gefällt mir. Ich mag, wie du im Ganzen denkst und aus dem Gedanken heraus eine Art Umverteilung angehst. Für den speziellen Fall wäre es nichts für mich, doch generell finde ich den Ansatz richtig toll. =)
    Danke dir für deinen wertvollen Kommentar!
    Liebe Grüße
    Marina

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