Nein sagen: Entscheidest du dich für ein Leben wie Pippi oder eines wie Annika?

In meiner Kindheit habe ich die Geschichten von Pippi Langstrumpf geliebt. Dieses Mädchen war anders als ich es vorgelebt bekommen habe, anders als ich es sein durfte. Sie spielte Streiche, lachte viel, hatte Spaß im Hier und Jetzt, sie wusste was sie wollte, sie wusste, was sie kann. Und wenn sie etwas noch nicht gemacht hatte, wusste sie, dass sie es gut machen wird. Sich abgrenzen und Nein sagen schien kein Problem für Pippi zu sein. Annika, eins der Nachbarskinder, führte ein Leben im Kontrast zu dem von Pippi. Sie hatte Angst vor negativen Konsequenzen, wenn sie Regeln nicht befolgte und war das, was wir wohl als "Braves Mädchen" kennen. Sie wiederholte die Sätze, die ihr eingetrichtert wurden: "Das macht man nicht." / "Das gehört sich nicht.". Pippi hingegen hatte die Regeln, die ihr von außen auferlegt werden sollten, nicht nur hinterfragt, sondern sich in den meisten Fällen eigene, alternative Regeln ausgedacht. Die Werte, die diese Regeln wahren sollten, waren offensichtlich nicht ihre eigenen. Sie hat klar ihre eigenen Bedürfnisse nach vorn gestellt und ist noch heute ein Vorbild für Sprüche wie "Sei wie Pippi, nicht Annika!", wenn es darum geht das eigene Leben zu leben und eben auch Nein zu sagen. Doch was ist schlimm daran, wenn wir nicht lernen Nein zu sagen?

Konsequenzen des Nicht-Nein-Sagen

  • Ja zu anderen zu sagen bedeutet auch Nein zu mir selbst zu sagen.
  • Mein Umfeld bestimmt über meine Zeit.
  • Ich tue das, was andere von mir wollen.
  • Ich führe aus.
  • Ich werde gelebt und ich werde gestaltet.

Ich finde diese Liste liest sich sehr einengend, nahezu bedrückend. Andere entscheiden über mein Leben und ich lebe nur nach den Vorstellungen dieser anderen. Irgendwie ganz anders als der Traum nach Selbstbestimmtheit, Erfüllung und einem freien Leben wie ich es von Pippi Langstrumpf vorgelebt bekommen habe. Woran liegt das? Warum fällt uns Nein sagen oft schwer?

Vermeintlich "gute" Gründe, für Nicht-Nein-Sagen

  • Wir wollen es allen recht machen.
  • Wir fühlen uns verpflichtet.
  • Wir haben Angst, sonst den Arbeitsplatz zu verlieren.
  • Wir verlieren ansonsten einen Auftrag / einen Kunden.
  • Wir wollen unserer Rolle entsprechen.
  • Wir wollen uns unersetzbar machen.
  • Wir meinen, dass wir das am besten machen können.
  • Wir sichern uns dadurch unsere Position ab.
  • Wir kommen uns wichtig vor.
  • Wir wollen liebenswürdig sein.

In unserer Kindheit haben wir möglicherweise gelernt, dass es "besser" ist unsere Bedürfnisse zu verdrängen oder hinten anzustellen, als dem anderen etwas abzuschlagen. Sätze wie "Du musst immer hilfsbereit sein.", "Das kannst du nicht machen!" oder "Sei nicht so egoistisch" prägen uns als kleine Menschen. Doch: Ist Nicht-Nein-Sagen wirklich die beste Alternative? Was passiert, wenn ich meinen "Ja-mache-ich-Reflex" überarbeite? Ich lerne, dass es gut sein kann, Nein zu sagen, auch wenn es vermeintlich schwer fällt. Ich lerne, dass ich Nein sagen üben kann und dass es viel öfter einen positiven Ausgang hat als einen negativen. Was sind also die Konsequenzen vom Nein-Sagen?

Konsequenzen des Nein-Sagens

  • Nein zu sagen bedeutet Ja zu mir und meinen Bedürfnissen zu sagen.
  • Ich bestimme selbst über meine Zeit.
  • Ich tue das, was wichtig für mich ist und was ich für richtig halte.
  • Ich lebe und gestalte mein Leben aktiv.
  • Ich lebe leichter, im Einklang mit mir und meinen Werten.
  • Ich übernehme Verantwortung für mein Leben.
  • Ich entscheide selbst und ermächtige mich.

Im Grunde wissen wir, dass es gut ist sich auch um sich selbst zu kümmern. Doch Glaubenssätze wie "Sei nicht egoistisch" können uns hier sehr im Weg stehen und uns im schlimmsten Fall zu völliger Selbstaufgabe bewegen. Oder "Nur wenn ich das jetzt mache, wird es auch richtig gemacht. Ich muss es ansonsten ja eh nochmal machen". Zwei meiner "liebsten", inneren Monologe der vergangenen Jahre. Mit dem einen sage ich mir im Grunde, dass ich selbst weniger wichtig bin als alle anderen, der zweite Monolog scheint den ersten zu kompensieren, denn nur ich kann das Problem/die Aufgabe ja richtig lösen. Kein besonders schönes Spiel, das ich da mit mir gespielt habe. Ich bin froh, dass ich mich davon schrittweise lossage. Dieses innere "Was denken denn nur die anderen?" kann einen in den Wahnsinn treiben. Und was passiert? Meist nichts. Viele Stunden "Grübelarbeit" geht ins Land, doch mehr als eigene Energie ist dabei nicht verbraucht worden. Warum nicht mal etwas anderes probieren? Ich habe hier ein paar Alternativen, mit denen du Nein sagen kannst, ohne gleich komplett Nein zu sagen. ;)

Nein-Sagen mit Methode

  1. Wir können unser Nein begründen: "Nein, das ist mir nicht möglich, weil..."
  2. Wir erläutern die Vorteile des Neins: "Wenn ich heute nicht mit dir ins Kino gehe und stattdessen die Steuererklärung fertig mache, haben wir morgen einen gemeinsamen, freien Sonntag."
  3. Wir kündigen das nächste Nein an und machen es uns für die Zukunft leichter durch gesetzte Grenzen: "Heute helfe ich dir noch einmal dabei, das nächste Mal musst du dir jemand anderen suchen."
  4. Wir können eine Alternative anbieten: "Ich habe heute meinen Tag bereits mit anderen Terminen verplant. Ich kann mir Donnerstag oder Freitag für dich Zeit nehmen. Wann passt es dir?"
  5. Nein, es sei denn....: "Ich kann heute Abend nicht länger arbeiten, weil ich noch Erledigungen machen muss, sei sei denn ich kann im Austausch morgen früher gehen."
  6. Warum gerade ich?: "Gibt es nicht jemand anderen, den du fragen kannst?" / "Für diese Sache ist XYZ besser geeignet. Frag lieber sie/ihn."
  7. Experimentieren und nach Konsequenzen fragen: "Wäre es schlimm für dich, wenn ich Nein sage?" / "Was passiert, wenn ich Nein sage?"
  8. Eine Nachdenkpause erbitten, um nicht aus Reflex Ja zu sagen: "Kann ich dir morgen eine Antwort geben? Ich möchte darüber in Ruhe nachdenken."

Fazit

Nein sagen ist nicht einfach, weil uns oft die Übung fehlt. Die vermeintlichen Gründe, warum wir es nicht einmal versuchen, habe ich oben aufgezählt. Nein sagen können wir nicht immer sofort zu 100% umsetzen. Wie andere Gewohnheiten braucht auch hier die Veränderung Zeit. Jeder Schritt ist einer in deiner eigenen Persönlichkeitsentwicklung. Es geht dabei um das Setzen von Grenzen. Aktuell weißt du ja noch nicht, wie dein Umfeld wirklich reagiert, wenn du anfängst öfter Ja zu dir selbst zu sagen. Das bedeutet für unser Gehirn erstmal Unsicherheit. Das Gute ist, dass wir Nein sagen lernen können. In kleinen Schritten, die zu uns passen, in denen wir uns nicht selbst überfordern. In welchen Situationen denkst du "Nein, das möchte ich nicht." und sagst "Ja, mache ich."?

Mit welcher Methode hast du Lust aus diesem Ja für die anderen ein Nein für die anderen und damit ein Ja für dich zu machen?

Am besten, ihr geht jetzt nach Hause - damit ihr morgen wiederkommen könnt. Denn wenn ihr nicht nach Hause geht, könnt ihr ja nicht wiederkommen. Und das wäre schade. (Pippi Langstrumpf)

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