Persönlichkeitsentwicklung in Stufen: eine Depression will dir etwas sagen

Das Leben schenkt dir Aufgaben bis du daraus gelernt hast. Das habe ich bisher nicht so richtig verstehen können. Was soll denn das auch bedeuten? Wer steuert das Ganze? Irgendwie nicht ganz greifbar. Zumindest für lange Zeit. Schaue ich mittlerweile auf meine letzten Lebensjahre zurück, kann ich ein paar Muster erkennen. Es gibt Lebensumstände, die sich wiederholt haben, so als würde ich bestimmte Stufen immer wiederholen. Es war nie dasselbe, doch irgendwie immer das gleiche. Da steckt doch System dahinter! Es ist wie Persönlichkeitsentwicklung in Stufen, bei der die nächste Stufe erst erreicht werden kann, wenn die darunter erklommen wurden. Die Aufgaben kehren also zurück bis wir sie angenommen haben und lernen uns weiter zu entwickeln.

Wiederkehrende Lebensaufgaben sind wie Wiederholungsklausuren - Sie kommen nicht wieder, wenn du das Richtige gelernt hast. (Marina Würger)

So sehe ich es mittlerweile. Alles, was immer wieder in mein Leben kommt, ziehe ich sozusagen an. Das passiert, wenn ich noch etwas Unerledigtes liegen haben, was angeschaut und gelernt werden will.

Zum besseren Verständnis nehme ich dich ein Stück mit in meine Vergangenheit.

Von der höchsten Stufe auf die niedrigste

Im Jahre 2018 habe ich im Job meine erste Burnout-Erfahrung gemacht. Bis wenige Monate zuvor lief mein Leben ganz gut. Ein toller Job, Spaß daran, viel Verantwortung, sehr gutes Gehalt, ich war fit, trainierte regelmäßig und hatte nach meinem Gefühl alles recht gut im Griff. Doch dann kam es eben anders, ich hatte ein paar Dinge übersehen, wollte ohne sie weitergehen und mich nicht damit auseinandersetzen. Also kam es, wie es wohl kommen musste. Ich war an einem Punkt angelangt, an dem ich nicht mehr wusste, was ich machen sollte. Ich trieb hilflos umher, hatte kaum Zugang zu mir selbst, Freude musste ich mir wieder beibringen, mein innerer Kritiker verurteilte mich für ein Versagen und ein weiterer Anteil trieb mich an, mich zusammenzureißen und wieder arbeitsfähig zu werden, "wieder zu funktionieren". Ein ätzendes Gemisch aus verschiedensten Glaubenssätzen und daraus resultierenden Emotionen. Damals war ich offensichtlich noch nicht bereit tiefer zu schauen. In den 6-9 Monaten zuvor war so einiges in mein Leben getreten, das sich als gesammeltes Werk in Form eines Burnouts zeigte, weil ich es nicht weiter beachtet hatte.

  • Ende Juli 2017 ging mein direkter Arbeitskollege in Rente und ich fühlte mich verpflichtet unser gemeinsames Arbeitsfeld alleine zu bewältigen. Seine Stelle wurde nicht nachbesetzt und ich wollte den Laden am Laufen halten. Über Monate arbeitete ich am Limit ohne etwas zu sagen. Erst viel zu spät gestand ich mir im ersten Schritt selbst meine Überlastung ein.
  • Im August 2017 starb meine Oma, die Frau, die mich mit 3 Monaten in ihre Obhut nahm und großzog. Ich ließ die Trauer nur oberflächlich zu und lenkte mich mit meinem Leben ab.
  • Parallel bereitete ich mich auf die Deutsche Amateur Meisterschaft im Muay Thai für Anfang 2018 vor. Nach knapp 10 Stunden Arbeit also noch mindestens 4-mal die Woche trainieren, dazu Ausdauer und am Wochenende Sparringstreffen, sofern welche stattfanden.

Damals war ich nicht in der Lage mich mit meinen Gefühlen auseinanderzusetzen. Ich verdrängte, rannte weiter in meinem selbstgebauten Hamsterrad und wollte nur schaffen, schaffen, schaffen. Ich wollte mich gut fühlen und suchte nach diesem Gefühl im Außen. Ich wollte eine gute, wertvolle Mitarbeiterin sein, ebenso eine gelehrige Schülerin, die sich systematisch auf die Meisterschaft vorbereitet. Das Ganze ging neben dem Training noch mit Gewichtsreduktion einher, die mir in der stressigen Zeit eher schwer als leicht fiel (verrückt, oder? ;) ). Ich trieb mich in der Zeit im Grunde weiter von mir weg, weil ich inneren Stimmen folgte, die mir versprachen mich besser zu fühlen, wenn ich nur in Bewegung blieb.

Stillstehen, anhalten und schauen, wie es mir wirklich geht? No-way!

Nach der Meisterschaft hatte ich zwar den Titel, doch ich fiel in ein tiefes Loch. Es fing an mit einer Erkältung, ich schlief nach dem Wettkampftag fast 24h durch und ging am darauffolgenden Montag zum Arzt. Nach einer Woche merkte ich einen inneren Widerstand, eine Stimme "Du kannst noch nicht wieder zur Arbeit", gefolgt von einer Angst nicht zu funktionieren und leisten zu können. Dank meiner Hausärztin, die die richtigen Fragen stellte, fing ich an mich in den darauffolgenden Wochen auf mich zu konzentrieren. Ich lernte wieder mich an Dingen zu erfreuen, ein Buch in der Sonne zu lesen, einen Kaffee dabei zu genießen, spazieren zu gehen, Natur wahrzunehmen, im Fotografieren zu versinken und einen Schritt mehr bei mir anzukommen. Doch ein schlechtes Gewissen blieb. Mir sah man nicht an, dass ich krank bin. Mit einem Gips im Cafè sitzen ist einfacher als während einer Depression genüsslich Kaffee in der Sonne zu trinken, während man krank geschrieben ist. Doch ich machte es trotzdem, ich versuchte mich an das zu halten, was mir meine Ärztin riet.

Stufen wieder rauf, zurück ins alte Leben

Ich hatte mich nach wenigen Wochen "wieder im Griff". Mit meinem Chef erarbeitete ich einen Plan zur Wiedereingliederung, ging zurück auf dieselbe Stelle, reduzierte meine Stunden nach einer Übergangszeit auf eine 4-Tage-Woche und richtete mich langsam wieder in meinem alten Leben ein. Damals ging ich sogar mit Angst zurück ins Unternehmen. Ich wollte wieder funktionieren, mich einpassen und wieder als leistungsfähiger Teil des Teams aufgenommen werden. Ich brauchte das Außen, um mich gut zu fühlen. Nach einiger Zeit hatte ich die anfängliche Angst überwunden, befand mich zurück in einer gewissen Selbstsicherheit und erhielt auf Basis meiner Arbeit Anerkennung. Das Außen hatte nun wieder die Funktion übernommen, die es sollte. Meine Welt drehte sich wieder wie gewohnt, es ging mir gut mit dem, was ich tat.

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Persönlichkeitsentwicklung in Stufen - auf ins neue Leben

Das ist nun über 2 Jahre her. Heute weiß ich, dass mir Ruhe und ein Ankommen bei mir hilfreicher gewesen wären, als nur umso schneller in meinem Hamsterrad vor mir selbst davon laufen zu wollen. Das einzige, wovor Menschen nicht wegrennen können, ist das eigene Selbst. Wir können uns noch so sehr anstrengen, ablenken oder verdrängen. Wir nehmen uns und unsere Gefühle mit.

Nunja, was soll ich sagen. Ich hatte meine Lektion noch nicht gelernt. 😉

Nur 2 Jahre danach stehe ich wieder an dem Punkt, an dem ich mich mit meiner Depression (oder eben Burnout) auseinandersetzen darf. Dieses Mal mache ich es anders. Diesmal nutze ich meinen eigenen Machtbereich. Ich lerne im Coaching meine Gefühle anzunehmen, lerne wie sie sich in meinem Körper zeigen, erkenne, wie sie sich immer wiederholen und löse alte Glaubenssätze, die mich in meinem alten Leben halten.

In meiner aktuellen "depressiven Episode" steht an erster Stelle den Kontakt zu mir herzustellen und meine Bedürfnisse zu achten. Das habe ich damals nicht ausreichend gelernt. Stunden reduzieren und ansonsten so weitermachen wie bisher war nicht das, was ich lernen sollte. 

Es war ein bisschen wie über schimmlige Wände streichen. Es sieht erstmal wieder schön aus, doch der Schimmel kommt solange durch, bis wir uns mit ihm auseinandersetzen und darum gekümmert haben, ihn zu entfernen. Im Anschluss haben wir eine gute Grundlage, auf der wir die neue Lebensfarbe auftragen dürfen. Bei dieser Lebensaufgabe geht es um eine tiefgreifendere Entwicklung.

Neuer Versuch - Mit guter Vorbereitung in die nächste Runde

Also nochmal bitte. Die nächste Stufe der Entwicklung wurde noch nicht erreicht. Die Wiederholungsklausur steht für mich an.

Heute sehe ich vieles anders. Stufe um Stufe baue ich mich mein neues Leben, mein neues Ich auf. Ich habe begonnen zu gestalten und mich nicht länger ausgeliefert zu fühlen. Ich arbeite an mir, lerne mich besser kennen und bin achtsamer. Ich sehe es nicht als Schwäche auf meine Bedürfnisse einzugehen, sondern bin stolz, wenn ich für mich einstehe. Das klappt sogar immer besser. 😉 Jeder kleine Schritt ist Teil meiner Entwicklung.

Wenn du also auch etwas immer wieder erlebst, komm raus aus dem Denken, raus der Opferrolle 'immer passiert mir das' und frag das Leben oder deine Seele, was sie dir beibringen wollen. Ich habe mich selbst gefragt, was mir meine Seele mit meiner Depression sagen will. Das liest sich möglicherweise erstmal komisch. Denn immerhin ist eine Krankheit ja etwas schlimmes und Ziel ist es sie wieder "wegzumachen". So wollen andere es uns gern weiß machen. Dahinter liegt für mich mittlerweile viel mehr vergraben, seit ich mich mit Psychosomatik befasse. Ich nehme meine Depression an, ohne mich ihr hinzugeben, und erkenne, dass sie mir zeigen will, dass ich besser auf mich und meine Bedürfnisse Acht geben soll.

Wie ich neue Wege nehme und dem Wahnsinn entgehe

Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu belassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert. (Albert Einstein)

Durch meine Ausbildung zum Greator Coach lerne ich mich in erster Linie auf mich zu besinnen, ich meditiere vermehrt, fühle meine Gefühle und lasse Altes los, um meine Energie auf mein neues Leben auszurichten. Der Prozess ist nicht immer einfach, doch ich merke bereits nach den ersten 3 Monaten meiner Ausbildung, wie sich mein Leben und meine Sicht auf dasselbige verändern. Ich vertraue darauf, dass ich dieses Mal meinen Weg gehe und mir ein Leben nach meinen Werten aufbaue, anstatt zurück in eines zu gehen, in das ich mich gefühlt rein zwängen muss, weil es mir nicht passt oder nicht zu mir passt.

Ich hoffe du kannst für dich etwas aus diesem Blog-Artikel mitnehmen. Ich kann dir sagen, der Blick nach Innen zu dir selbst lohnt sich. Gönn dir Ruhezeiten, meditiere im Sitzen oder bei einem Spaziergang durch die Natur, komm bei dir selbst an und erhöre deine innere Stimme. Denn alles, was du brauchst, findest du in dir.

Also:

Wie fühlst du dich gerade wirklich? Versuch nicht zu denken, sondern mehr in dich zu spüren. Erfüllt dein Leben dich mit Freude und Energie oder zieht es mehr Energie und fühlt sich weniger passend für dich an?

Erst wenn du hinschaust und bemerkst, wie du dich fühlst, kannst du Schritte einleiten, die deinen Lebenskurs korrigieren und dich zu einem schöneren Leben führen

Da fällt mir ein: Kennst du deine eigenen Werte?

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Eine Depression kann zur schweren Krankheit werden: Hier gibt es Hilfe bei der Deutschen Depressionshilfe. Wenn du dir unsicher bist, kannst du dort einen Selbsttest machen.

Die Terminservicestelle der kassenärztlichen Vereinigung erreichst du unter der Telefonnummer: 116117

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2 Kommentare

  • Ein ehrlicher, authentischer und offener Bericht liebe Marina, vielen Dank 🙏 Mach weiter so, deine Stimme ist wichtig. Alles Liebe Paula
  • Hallo Paula,
    ganz lieben Dank für deine Worte. Das ging mir richtig unter die Haut. 🙏
    Alles Liebe auch dir
    Marina

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